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Unsichere Therapeutin beim Konzipieren ihrer Videotherapie
Foto: Friedrich Merz | physio.de • Lizenz: CC-BY •Die Studie
Für die Untersuchung befragte Michels im Frühjahr 2025 insgesamt 458 in Deutschland tätige PhysiotherapeutInnen online. Sie berichteten, welche Erfahrungen sie mit Teletherapie gemacht hatten, welche Hindernisse sie sahen und welche Unterstützung sie sich wünschten. Ob eine Behandlung per Video ebenso gut wirkt wie eine Behandlung vor Ort, wurde dabei nicht untersucht.
Die Antworten zeigen eine deutliche Lücke zwischen grundsätzlicher Offenheit und praktischer Erfahrung: Rund 79 Prozent erachteten Teletherapie in der zukünftigen Versorgung für sinnvoll. Selbst ausprobiert hatten die Fernbehandlung aber nur 30 Befragte, also knapp sieben Prozent. Lediglich sechs Personen gaben an, Teletherapie an mehr als fünf Tagen im Monat zu nutzen oder früher genutzt zu haben.
Die Hürden
Warum kommt eine Behandlungsmöglichkeit, die viele sinnvoll finden, so selten zum Einsatz? Als größte Hürde nannten die Befragten die Einbindung in den Praxisalltag: Rund 60 Prozent sahen hier Schwierigkeiten. Knapp die Hälfte vermisste ausreichende Informationen zu rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen. Rund 42 Prozent nannten eine unzureichende digitale Ausstattung der Praxis, 37 Prozent fehlendes fachliches Wissen zur Umsetzung.
Dazu passt, dass sich nur etwa jede fünfte befragte Person ausreichend über Teletherapie informiert fühlte. Rund 38 Prozent trauten sich zu, selbst telemedizinisch zu arbeiten. Allgemeine Technikkenntnisse scheinen diese Lücke allein nicht zu schließen: Obwohl sich fast drei Viertel als technisch versiert einschätzten, blieben viele Fragen zum konkreten Einsatz offen.
Neben praktischen Schwierigkeiten gab es auch Vorbehalte gegenüber der Behandlung selbst. Etwa die Hälfte befürchtete eine schlechtere Behandlungsqualität als im persönlichen Kontakt. Fast ebenso viele vermuteten, dass PatientInnen digitalen Behandlungen ablehnend gegenüberstehen könnten.
Die Chancen
Die Befragten sahen allerdings auch Vorteile in der Teletherapie: Rund 71 Prozent nannten ein erweitertes Angebot für PatientInnen, einschließlich einer positiven Außenwirkung für die Praxis. Etwa 57 Prozent sahen ein geringeres Infektionsrisiko. Jeweils rund 39 Prozent erwarteten weniger notwendige Hausbesuche beziehungsweise eine geringere Umweltbelastung.
Befragte mit Teletherapieerfahrung gaben häufiger an, sich ausreichend informiert und kompetent zu fühlen, als Befragte ohne entsprechende Erfahrung. Auch Schwierigkeiten mit der Einbindung in den Praxisalltag wurden seltener genannt. Ob praktische Erfahrung Unsicherheiten abbaut oder ob vor allem bereits gut vorbereitete TherapeutInnen Teletherapie ausprobieren, lässt sich aus der einmaligen Befragung jedoch nicht erkennen.
Grenzen der Befragung und Ausblick
Die Ergebnisse lassen sich natürlich nicht ohne Weiteres auf alle PhysiotherapeutInnen in Deutschland übertragen, da es sich nicht um einen repräsentativen Datensatz handelt. Von 761 begonnenen Fragebögen gingen nur die 458 vollständig ausgefüllten in die Auswertung ein. Trotzdem lassen sich aus den Daten Tendenzen ableiten.
Aus den Ergebnissen leitet Michels vor allem einen Bedarf an konkreter Unterstützung ab, denn rund 59 Prozent der Befragten wünschten sich Fortbildungen zum Thema Teletherapie, 54 Prozent den Austausch mit erfahrenen KollegInnen.
Dabei bleiben einige Fragen weiterhin bestehen: Wie lassen sich PatientInnen für eine Behandlung auf Distanz auswählen? Wie gelingen Befundaufnahme, Übungsanleitung und Kommunikation per Video? Und wie werden Sicherheit, Dokumentation und Praxisabläufe berücksichtigt?
Der Autor der Studie plant, diese Wissenslücke zu schließen, denn die Befragung ist Teil seiner Promotionsarbeit. Eine derzeit laufende Delphi-Studie soll weitere Anforderungen und Hindernisse bei der Anwendung teletherapeutischer Leistungen aufdecken und so die Basis für einen telemedizinischen Leitfaden bilden, der im Rahmen der Promotion entstehen soll. Ein Zielgruppe dafür scheint es zu geben, schließlich gaben 79 Prozent der Befragten an, dass sie die Teletherapie in Zukunft als relevant für die Physiotherapie ansehen.
Daniel Bombien / physio.de
VideotherapieTelemedizinUmfrageStudie
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