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Klusen: Betriebskrankenkassen hebeln Solidarsystem aus
01.09.2000 • 0 Kommentare

Der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Norbert Klusen, warnt davor, das Solidarsystem im deutschen Gesundheitswesen durch mangelnde Reformbereitschaft zu gefährden. «Das, was wir jetzt erleben, ist ein Gesundheitssystem, das sich in 10 oder 20 Jahren ad absurdum führt», sagte Klusen dem «Hamburger Abendblatt» (heutige Ausgabe). Vor allem die billigen Betriebskrankenkassen würden immer mehr junge und gesunde Mitglieder an sich binden. «Wenn innerhalb des Systems die Gesunden für sich eine Gemeinschaft bilden ohne Krankheitskosten, ist das nur noch eine Beitragsminimierungsgesellschaft. Das Solidarsystem wird ausgehebelt», betonte Klusen.

Wenn die Entwicklung anhalte, würden auch die großen Kassen Betriebskrankenkassen gründen, sagte Klusen weiter. «Die Mitglieder würden vermehrt in diese beitragsgünstigen Zweitmarken abwandern», prophezeite er. Diese müssten aber eines Tages teurer werden, weil schließlich auch die Kranken dorthin wechselten. Dann verließen die Gesunden diese Kassen wieder. "So dreht sich die Spirale weiter", sagte Klusen.

Der TK-Chef regte an, über ein Kopfpauschalen-System im Gesundheitswesen nachzudenken, das das beitragsfinanzierte System langfristig ablösen könne. »Dann müsste jeder Bürger, egal, ob er eine Arbeit hat oder erwerbslos ist, einen bestimmten Beitrag für das Gesundheitswesen leisten.« Dies gefährde das solidarische System nicht, wenn die Unternehmen das, was sie derzeit über den Bruttoarbeitslohn an Beiträgen entrichten, in einen Solidarfonds einbezahlten. An diesem Fonds solle sich auch die Bundesregierung beteiligen. "Damit könnten dann Sozialhilfeempfänger, Arbeitslose und kinderreiche Familien bei der Kopfpauschale unterstützt werden", fügte Klusen hinzu.

Quelle: ddp

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